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Frühherbst im Kastanienwald

... Gebietsweise sei der Befall "ordentlich stark", aber erstaunlicherweise nicht flächendeckend wie im Jahr 2000, sagt Manfred Brunner vom städtischen Gartenbau. Damals war nahezu der gesamte Bestand im Stadtgebiet - mehrere zehntausend Bäume - "durchgängig braun", so Brunner. Im vergangenen Sommer dagegen fiel die Schädigung vergleichsweise gering aus. Die jährlichen Schwankungen erklärt Brunner mit dem Einfluss der jeweils unterschiedlichen Witterung.

In diesem Jahr hatte das Mottengeschwader gute Startbedingungen: Im April, als die erste Generation der Rosskastanienminiermotte, wie der Schädling mit vollem Namen heißt , ihre Eier ablegte, war es schon warm und trocken, was die Entwicklung der Schädlings-Population begünstigt. Drei Vermehrungszyklen schaffen die Insekten in einem Sommer. Und mit jeder dieser Generation wächst die Zahl der Schädlinge schätzungsweise um das Zwanzigfache. Derzeit fliegt gerade die zweite Motten-Generation. Die Insekten legen ihre Eier auf der Blattoberfläche ab. Die Larven, die daraus schlüpfen, fressen sich in Gänge, den Minen, ins Blattinnere, wo sie sich auch verpuppen. Es bilden sich pergamentartige Zonen ohne Chlorophyll, die später braun werden. Aus den Puppen schließlich schlüpfen die Insekten. Vereinzelt werden auch rotblühende Kastanien oder Ahornbäume befallen, haben Experten herausgefunden.

Auch Brunner hat das Phänomen in München bereits beobachtet, beim Ahorn allerdings nur an Bäumen, die neben strak geschädigten Kastanien stehen. Manchmal kann es sein, dass die Population der Schädlinge zu dicht wird und einige von ihnen dann auf dem Ahorn ausweichen. Im großen Stil tun sie das nicht; der von Förstern schon befürchtete Wirtswechsel, der generelle Schwenk von einem Baum zum anderen, sei bislang ausgeblieben, sagt Werner Heitland vom Lehrstuhl für Angewandte Zoologie an der TU München-Weihenstephan. Als einzig einigermaßen wirksame Maßnahme gegen die Mottengeschwader gilt bislang, im Herbst das Kastanienlaub möglichst vollständig wegzukehren und zu vernichten. Da nämlich die Schädlinge im Puppenstadium im Laub überwintern, sie die Insektenzahl, die im Frühjahr dann direkt unter den Kastanien schlüpfen kann, deutlich kleiner. Die städtischen Gartenbauer haben darum auch im vergangenen Jahr das Laub, so weit möglich, entfernt. "Was wir tun können, tun wir", sagt Brunner, auch wenn er mittlerweile "vorsichtig geworden sei", der Methode rückhaltlos Erfolg zu bescheinigen. In Vergleichsexperimenten habe sich der unmittelbare Zusammenhang zwischen der Kehrwoche unter den Bäumen und einer Verringerung des s.g. Befallsdrucks nicht nachweisen lassen.

Andere Möglichkeiten der Bekämpfung, die sich großflächig einsetzen ließen, gibt es bislang nicht. Die Insekten in Pheromonfallen zu fangen, funktioniere zwar sehr gut, sagt Heitland. Doch angesichts der meist großen Motten-Population tauge die Methode allenfalls für Kleingärten, und auch das nur, wenn die Hobbygärtner außerdem das Laub zusammenharkten. In einem internationalen Forschungsprojekt, das Heitland koordiniert, suchen Wissenschaftler nach natürlichen Feinden der Miniermotte mit denen sie sich bekämpfen lässt. Auch in Deutschland habe man ein paar Arten gefunden, kleine Wespen zum Beispiel, die die Larven und Puppen der Motten befallen. Doch besonders wirkungsvoll ist die Bio-Attacke mit den so genannten Parasitoiden nicht. "Das hat keinen Einfluss auf die Populationsdynamik", sagt Heitland. Mittel zur chemischen Bekämpfung seien in Deutschland nicht zugelassen. So bleibt den städtischen Gärtnern im Sommer nichts zu tun, um die Mottenplage einzudämmen. Immerhin sei der Befall an einigen Orten in diesem Jahr so stark, sagt Brunner, dass es womöglich einen Teil der Bäume wie vor zwei Jahren zu einer zweiten - abnormen- Blüte treibt. Mit einem erneuten Austreiben gegen Ende September reagieren die gestressten Bäume auf den massiven Verlust von Blattgrün durch den Mottenfraß. Die Frage, ob die alljährliche Heimsuchung die Bäume nicht auf Dauer schwer schädigt, ist weiterhin offen. Bislang habe man noch keine Veränderung beim Wachstum feststellen können, sagt Heitland. Statistisch gesehen bildeten stark befallene Bäume allerdings kleinere Früchte. Entnommen aus der Süddeutschen Zeitung Nr. 167/S. 34 vom 22.07.02 Frühherbst im Kastanienwald Noch immer haben die städtischen Gartenbauer kein Patentrezept gegen die gefräßigen Larven der Schädlinge Von Martin Thurau Man wird sich wohl daran gewöhnen müssen, dass die Kastanien Jahr für Jahr weit vor der Zeit braune Blätter bekommen und Laub verlieren. Auch in diesem Sommer haben die Bäume wieder mit der Mottenplage zu kämpfen, von der schon seit Jahren die weißblühende Variante der Rosskastanien regelmäßig heimgesucht wird. Gebietsweise sei der Befall "ordentlich stark", aber erstaunlicherweise nicht flächendeckend wie im Jahr 2000, sagt Manfred Brunner vom städtischen Gartenbau. Damals war nahezu der gesamte Bestand im Stadtgebiet - mehrere zehntausend Bäume - "durchgängig braun", so Brunner. Im vergangenen Sommer dagegen fiel die Schädigung vergleichsweise gering aus.

Die jährlichen Schwankungen erklärt Brunner mit dem Einfluss der jeweils unterschiedlichen Witterung. In diesem Jahr hatte das Mottengeschwader gute Startbedingungen: Im April, als die erste Generation der Rosskastanienminiermotte, wie der Schädling mit vollem Namen heißt , ihre Eier ablegte, war es schon warm und trocken, was die Entwicklung der Schädlings-Population begünstigt. Drei Vermehrungszyklen schaffen die Insekten in einem Sommer. Und mit jeder dieser Generation wächst die Zahl der Schädlinge schätzungsweise um das Zwanzigfache. Derzeit fliegt gerade die zweite Motten-Generation. Die Insekten legen ihre Eier auf der Blattoberfläche ab. Die Larven, die daraus schlüpfen, fressen sich in Gänge, den Minen, ins Blattinnere, wo sie sich auch verpuppen. Es bilden sich pergamentartige Zonen ohne Chlorophyll, die später braun werden. Aus den Puppen schließlich schlüpfen die Insekten. Vereinzelt werden auch rotblühende Kastanien oder Ahornbäume befallen, haben Experten herausgefunden. Auch Brunner hat das Phänomen in München bereits beobachtet, beim Ahorn allerdings nur an Bäumen, die neben strak geschädigten Kastanien stehen. Manchmal kann es sein, dass die Population der Schädlinge zu dicht wird und einige von ihnen dann auf dem Ahorn ausweichen. Im großen Stil tun sie das nicht; der von Förstern schon befürchtete Wirtswechsel, der generelle Schwenk von einem Baum zum anderen, sei bislang ausgeblieben, sagt Werner Heitland vom Lehrstuhl für Angewandte Zoologie an der TU München-Weihenstephan. Als einzig einigermaßen wirksame Maßnahme gegen die Mottengeschwader gilt bislang, im Herbst das Kastanienlaub möglichst vollständig wegzukehren und zu vernichten. Da nämlich die Schädlinge im Puppenstadium im Laub überwintern, sie die Insektenzahl, die im Frühjahr dann direkt unter den Kastanien schlüpfen kann, deutlich kleiner. Die städtischen Gartenbauer haben darum auch im vergangenen Jahr das Laub, so weit möglich, entfernt. "Was wir tun können, tun wir", sagt Brunner, auch wenn er mittlerweile "vorsichtig geworden sei", der Methode rückhaltlos Erfolg zu bescheinigen. In Vergleichsexperimenten habe sich der unmittelbare Zusammenhang zwischen der Kehrwoche unter den Bäumen und einer Verringerung des s.g. Befallsdrucks nicht nachweisen lassen. Andere Möglichkeiten der Bekämpfung, die sich großflächig einsetzen ließen, gibt es bislang nicht. Die Insekten in Pheromonfallen zu fangen, funktioniere zwar sehr gut, sagt Heitland. Doch angesichts der meist großen Motten-Population tauge die Methode allenfalls für Kleingärten, und auch das nur, wenn die Hobbygärtner außerdem das Laub zusammenharkten. In einem internationalen Forschungsprojekt, das Heitland koordiniert, suchen Wissenschaftler nach natürlichen Feinden der Miniermotte mit denen sie sich bekämpfen lässt. Auch in Deutschland habe man ein paar Arten gefunden, kleine Wespen zum Beispiel, die die Larven und Puppen der Motten befallen. Doch besonders wirkungsvoll ist die Bio-Attacke mit den so genannten Parasitoiden nicht. "Das hat keinen Einfluss auf die Populationsdynamik", sagt Heitland. Mittel zur chemischen Bekämpfung seien in Deutschland nicht zugelassen. So bleibt den städtischen Gärtnern im Sommer nichts zu tun, um die Mottenplage einzudämmen. Immerhin sei der Befall an einigen Orten in diesem Jahr so stark, sagt Brunner, dass es womöglich einen Teil der Bäume wie vor zwei Jahren zu einer zweiten - abnormen- Blüte treibt. Mit einem erneuten Austreiben gegen Ende September reagieren die gestressten Bäume auf den massiven Verlust von Blattgrün durch den Mottenfraß. Die Frage, ob die alljährliche Heimsuchung die Bäume nicht auf Dauer schwer schädigt, ist weiterhin offen. Bislang habe man noch keine Veränderung beim Wachstum feststellen können, sagt Heitland. Statistisch gesehen bildeten stark befallene Bäume allerdings kleinere Früchte.

Entnommen aus der Süddeutschen Zeitung Nr. 167/S. 34 vom 22.07.02

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